| Respekt gewonnen, das Spiel verloren! |
|
|
|
Mit einem dreistündigen Kraftakt schaffte es der amtierende Deutsche Meister, der FSV Kroppach, zwei Punkte aus Tostedt zu entführen. Die nüchternen Zahlen aus Tostedter Sicht lauten wie folgt: 1:3 Spiele, 8:11 Sätze und 167:170 Bälle. Das Spielhatte jedoch mehr zu bieten als nackte Statistik! Ohne Überraschungen stellten die beiden Coaches ihre Mannschaften auf. So spielten für Tostedt Han Ying, Irene Ivancan und Nadine Bollmeier auf. Kroppach bot dagegen die Spitzenaufstellung Wu Jiaduo, Jia Jun und Krisztina Toth. Im ersten Spiel trafen also mit Han Ying und Jia Jun zwei Chinesinnen aufeinander. Es sah bis zum Ende des dritten Satzes nicht so aus, als könne die Tösterin den Erfolg aus dem Hinspiel wiederholen. Eine teils dominante Jia Jun spielte sehr sicher und suchte sich ihre Angriffsbälle zum großen Teil richtig aus, sodass sie beim Stande von 2:0 nach Sätzen und 10:9 ihren ersten und auch einzigen Matchball hatte. Der Kampfgeistr in Han Ying erwachte und wehrte diesen Matchball ab, kämpfte sich durch den Satzgewinn in Durchgang drei zurück ins Match und machte in Satz vier und fünf kurzen Prozess mit der mittlerweile von der Rolle wirkenden Kroppacherin. Die Freude beim Publikum und der Töster Protagonistin war nach einem schon verloren geglaubten Spiel groß und an ging mit einer Führung gegen den hohen Titelfavoriten in das nächste Spiel. In diesem war es an Irene Ivancan ihren klaren 3:0-Sieg gegen die amtierende Europameisterin aus dem Hinspiel zu wiederholen. Wu Jiaduo allerdings hatte sich vorgenommen, sich für die eine der beiden Niederlagen in der Hinserie zu revanchieren. Einen Satz brauchte Wu um sich an den Schnitt und die knallharten Angriffsbälle von Irene zu gewöhnen. Mit 11:8 ging der erste Durchgang nach Tostedt. Danach zeigte Wu, dass die die schnellen Angriffsbälle, die Ivancan als Abwehrerin immer mal einstreut, zu blocken vermag. Irene beschränkte sich vielleicht ein wenig zu sehr auf das passive Spiel, kämpfte großartig, hatte aber in den nächsten drei Sätzen das Nachsehen, auch wenn sie im letzten Satz mit 9:8 führte. Mit einem zufriedenstellenden Unentschieden ging man also in die Pause. Es folgte das Highlight des Tages: Bollmeier gegen Toth! Im ersten Satz bekamen die Zuschauer mit, welch Ballgefühl die Kroppacherin hat und wurden durch lange Ballwechsel für das Ausharren belohnt. Nadine machte über Vor- und Rückhand Druck, Toth ging oft in die Defensive und versuchte durch exzellent gespielte Ballonabwehr zu punkten. Die Tösterin machte durch clever gesetzte Bälle aber meist den Punkt und gewann so den ersten Satz. In Satz zwei war die Ungarin auf Kroppacher Seite dann deutlich aggressiver und konnte dem Spiel ihren Stempel aufdrücken. Das Heft wechselte dann wieder die Hand und Bollmeier hielt es ziemlich fest. Zaubertischtennis bot sie im vierten Satz! Jeden Ball nahm sie mit vollem Risiko und überraschte die routinierte Gegnerin des Öfteren mit Bällen gegen die Laufrichtung. Auch der vierte Satz wurde anfangs von der Tösterin bestimmt und das Niveau stieg eher noch als dass es sank. Beim Stande von 6:2 schien das Spiel gelaufen; zu gut agierte Bollmeier. Man fragte sich in der Halle, ob das Niveau bis zum Schluss gehalten werden konnte. Leider nicht! Auch eine Auszeit beim Stande von 6:4 brachte nicht den gewünschten Effekt und Toth konnte mit 11:8 erfolgreich sein. Wer nun aber dachte, die Tösterin gäbe sich geschlagen, irrte! Bis zum 6:4 führte Nadine, dann jedoch drehte wiederum Toth auf, legte einen 4:0 Zwischenspurt ein und konnte den Vorsprung über die Ziellinie retten. Ein Spiel, welches für Tischtennisexperten ein Leckerbissen war, da Bollmeier hervorragend agierte und man dem gefühlvollen Spiel von Toth zusehen durfte. Nach der 2:1-Führung für die Gäste, kam es zum Spiel der beiden Spitzenspielerinnen. Han Ying, die noch nie gegen ihre Kontrahentin gewinnen konnte, stand Wu Jiaduo gegenüber. Wieder mal brauchte die Europameisterin den ersten Satz, um sich an das Spiel und an den Schnittwechsel der Tostedterin zu gewöhnen. In Satz zwei konnte Ying dem geduldigen und intelligenten Spiel der Kroppacherin nicht viel entgegensetzen und verlor diesen prompt. Der Folgesatz wurde taktisch anders angegangen, denn die Tösterin versetzte den Bällen jetzt nicht mehr so viel Schnitt und bis Wu sich darauf einstellen konnte, war Satz drei in Tostedt. Wenn sie sich allerdings eingestellt hat, dann ist es sehr schwierig überhaupt noch einen Punkt zu machen. So geschehen in Satz vier, in dem Wu mit 11:1 dominierte. Der finale Durchgang war dann etwas umkämpfter, aber die Kroppacherin ließ beim 11:6 kaum Zweifel aufkommen. Damit war das 1:3 aus Töster Sicht nach genau drei Stunden Spielzeit Realität. Ein Ergebnis, welches über den Spielverlauf hinwegtäuscht, denn die Damen aus der Nordheide waren ebenbürtig und mit ein wenig Glück auch einen Sieg einfahren können. „Die haben sich aber hervorragend gewehrt“ war der mehrheitliche Tenor unter den Fachleuten auf der Tribüne und die knapp 100 Zuschauer kamen in diesem Marathonmatch mit Sicherheit auf ihre Kosten. Einer Pause von über einem Monat folgt der nächste Auftritt der Bundesliga-Damen. Auswärts tritt man in Essen beim DJK Holsterhausen an. |


